vorgeschlagen für Ewigkeitssonntag, 21. Nov. 2021

17 Denn, wohlan, ich schaffe den Himmel neu, die Erde neu, nicht gedacht wird mehr des Früheren, nicht steigts im Herzen mehr auf, 18 sondern entzückt euch, jubelt fort und fort, drob was ich schaffe! Denn, wohlan, ich schaffe aus Jerusalem einen Jubel, aus seinem Volk ein Entzücken, 19 ich juble über Jerusalem, ich entzücke mich an meinem Volk. Nicht hört man mehr darin Stimme des Weinens, Stimme des Geschreis..20 Nicht soll dorther mehr einer sein, zart an Tagen und doch gealtert, der seine Tage nicht vollendet, denn als jugendlich wird der Hundertjährige sterben, und der Sünder wird verwünscht, nur ein Hundertjähriger zu werden. 21 Sie bauen Häuser und siedeln, pflanzen Reben, essen ihre Frucht: 22 sie bauen nicht, daß ein anderer siedle, pflanzen nicht, daß ein anderer esse. Denn wie die Tage des Baums sind die Tage meines Volks nun, was das Tun ihrer Hände erbringt, sollen meine Erwählten verbrauchen. 23 Sie sollen nicht ins Leere sich mühen, nicht zu Bestürzung gebären, denn SEINER Gesegneten Same sind sie und ihre Nachfahren mit ihnen. 24 – Geschehen wirds: eh sie rufen, antworte ich, sie reden noch, und ich erhöre. 25 Wolf und Lamm weiden wie eins, der Löwe frißt Häcksel wie das Rind, und die Schlange, Staub ist nun ihr Brot: nicht übt man mehr Böses, nicht wirkt man Verderb auf all dem Berg meines Heiligtums, hat ER gesprochen.

Buber/ Rosenzweig, Die Schrift

Der Predigttext setzt ein, nachdem Gott mit Seinem Volk scharf abrechnete und ihm seine Untreue und Abirrungen deutlich vorhielt. ER ist enttäuscht über die Abtrünnigkeit Seiner Kinder, die sich an keine Gebote halten, Schweinefleisch essen und fremden Göttern opfern, die IHN ins Angesicht reizen und nicht umkehren. So lange es Menschen auf dieser Erde gibt, lebt auch eine Menschheit auf ihr, die Gott enttäuscht.
Doch der Gott, der zürnt, gibt Seinem Volk, Seinem Knecht Israel, immer wieder eine Perspektive für die Zukunft mit auf den schmerzlichen Weg Seiner Heimsuchung, denn ER liebt Israel ebenso feurig wie ER zornig sein kann. ER will die Geliebten anreizen, weiter auf seinen Gott zu hören. Israel darf sehen, dass in den Zeiten der Abwendung Gottes es sich lohnt, Gott zu vertrauen und zu IHM umzukehren. In diesem Fall zeigt Gott, dass im wahrsten Sinne des Wortes messianische Zeiten vor den Umkehrenden liegen.

Was der Mensch aus eigener Kraft nicht schafft, das schafft Gott. Haben in dieser Welt noch das Böse und die Versuchung die Oberhand, so schafft Gott in der Zukunft eine neu geordnete Welt.

Jes. 65,17 Denn, wohlan, ich schaffe den Himmel neu, die Erde neu, nicht gedacht wird mehr des Früheren, nicht steigt‘s im Herzen mehr auf,
Gott wird ein Wunder tun, denn Himmel und Erde schafft ER neu, und zwar mit dem Schöpfungsbegriff בוֹרֵא bor’e = er schafft (ex nihilo), was eine Schöpfung aus dem Nichts bedeutet. Nicht aus dem vorhandenen Material von Himmel und Erde erneuert ER diese, sondern für die Menschen auf der Erde erlebbar schafft ER etwas unvorstellbar Neues, das es vorher nicht gab. Das führt dazu, dass die neuen Himmel und die neue Erde das Alte werden vergessen lassen. Das Neue wird so überwältigend sein, dass sich in keinem Winkel des menschlichen Herzens oder Denkens ein Rest von Erinnerung, von Verlustempfinden findet.

Nichts als überwältigtes Staunen in ergriffener Freude und extrovertiertes Jubeln und Feiern wird zu finden sein. שִׂישׂוּ ssissu = entzückt euch mit dem Hauptwort שָׂשׂוֹן ssasson meint die stillere Freude im Gegensatz zu גִילוּ gilu = frohlockt, jubelt mit dem Hauptwort גִּילָה gila = Frohlocken.

Jes. 65,18 sondern entzückt euch, jubelt fort und fort, drob was ich schaffe! Denn, wohlan, ich schaffe aus Jerusalem einen Jubel, aus seinem Volk ein Entzücken,
Selbst aus Jerusalem, mit Jerusalem schafft Gott nie Dagewesenes, ein Jubeln und Entzücken, das es auf Erden seit der Schöpfung nicht gab. Gott erneuert nicht einfach wie „aus Alt mach Neu“, sondern ER schafft vollkommen Neues und Unbekanntes. Die Menschen werden nicht wiedererkennen, was da auf sie zukommt! Die Ordnung der Himmel, die Ordnung der Erde präsentiert sich mit einem neuen Wesen in einem neuen Licht.

Gott selbst jubelt über das neue Jerusalem und über Sein Volk, denn es gibt kein Weinen und Klagen mehr. Auf dieser Erde schafft Gott eine völlig neue Ordnung, die sich innerhalb der Natur abspielt, denn die Menschen werden Obst, Gemüse, Getreide und Wein anbauen, aber da wird nichts sein, das eine Ernte zerstören kann und niemand, der die Ernte raubt. Wer anbaut, darf auch ernten und davon satt werden.

Menschen gehen ehrlich und freundlich, voller Liebe miteinander um, und sie neiden sich nichts mehr. Der Mensch wird zwar sündenanfällig bleiben, aber die Sünde bleibt eine Marginalie, wie wir lesen können:
V20 Nicht soll dorther mehr einer sein, zart an Tagen und doch gealtert, der seine Tage nicht vollendet, denn als jugendlich wird der Hundertjährige sterben, und der Sünder wird verwünscht, nur ein Hundertjähriger zu werden.
Der Sünder wird ein geringeres Alter erreichen als die Gerechten, die in unserer jetzigen Welt so gering an Zahl sind, dass das Böse in Gestalt von Kriegen, Terror, Hass und Gewalt unseren Alltag und die Nachrichten bestimmt. In Gottes Neuschöpfung wird es anders sein, denn das Gute bekommt die Oberhand.

Die Natur wird sich ebenfalls freuen, denn sie wird als Spiegel menschlichen Verhaltens aufatmen, fruchtbar sein und keine Katastrophen mehr hervorbringen wie Vulkanausbrüche, Erdbeben, Lawinen oder Überschwemmungen. Der Mensch, der ein unvorstellbar hohes Alter erreichen wird, wird beschwerdefrei auf Erden leben, an seinem Heim und seiner Familie Freude haben. Kein Kind wird geboren, um gleich darauf zu sterben! Ohne Mühe, ohne Krankheit und Leid wird der Mensch mit seinen Händen wirken und arbeiten und die Früchte seines Tuns genießen.
Alles, was eine Folge der Vertreibung aus dem Paradies war wie Disteln und Dornen, wie Sorge und Rastlosigkeit, wie Plage und Pein, das wird es nicht mehr geben. Aber wie im Paradies, wo Adam gleichfalls zum Hüter und Bebauer des Gartens bestellt war, wird den Menschen keine Existenzangst mehr begleiten.

So wird der alternde Mensch, der keinerlei Altersbeschwerden mehr kennt, nach einem unvorstellbar langen Leben zufrieden, dankbar und lebenssatt gerne diese Welt verlassen und in die Welt Gottes hinübergleiten.

Auch die Tiere als Teil der Natur existieren weiter, aber sie sind keine Bedrohung mehr für den Menschen. Wie im Paradies werden der Wolf und der Löwe Stroh fressen. Selbst die Schlange verliert ihre Listigkeit und ernährt sich vom Staub der Erde, wie Gott es ihr angekündigt hatte. Nichts Böses hat Platz bei Gott. Gottes Reich ist ein Reich der Liebe, der Achtsamkeit und des Friedens. Es ist das Reich, in dem der Mensch Gott als König preist und verehrt, wo er kein Verlangen mehr hat nach fremden Göttern geben wird.

Gott muss und wird uns selber helfen, ER wird uns aus der Sünde und allem, was uns von dem Gehorsam gegen IHN abhält, in der Zukunft endgültig befreien. ER weiß, dass wir es nicht aus unserer Kraft schaffen, in Seinen Wegen zu gehen, aber ER weiß auch, dass wir vor Seiner Neuschöpfung der Welt die mühsamen Erfahrungen in dieser Welt brauchen.

Wir brauchen die Erfahrung des Einsatzes für den Nächsten und für die Umwelt, doch ziehen wir IHN da zu wenig zu Rate. Wir fragen Gott zu wenig, was ER von uns möchte, damit es Seiner Schöpfung besser geht, denn auch jetzt ist sie ein Spiegel für unser Verhalten. Jetzt rebelliert unsere Umwelt und leidet an unseren Fehlentscheidungen und unserer Gottlosigkeit. Jetzt können wir lernen, wie wir mit Gott und mit Gottvertrauen, mit dem Tun Seiner Gebote die Welt schon jetzt ein wenig besser machen können. Das ist unser Auftrag jetzt und hier in der Vorfreude auf die kommenden paradiesischen Zustände, die kein Fiktion sind.

Anregungen zu Dtn. 34,1-8 finden sich in der Auslegung zur Wochenlesung hier: http://deine-wurzel.de/paraschat-we-sot-habracha-dtn-33-34/

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