zur Parascha Bo am 6. Schwat 5782; 8. Januar 2022

Jer. 46,13 Die Rede, die ER zu Jirmejahu dem Künder redete, aufs Kommen Nebukadnezars Königs von Babel, das Land Ägypten zu schlagen:

So beginnt die Haftara mit Worten Jeremias gegen Ägypten und passt somit zur dieswöchigen Parascha. Dort kommt Mosche auf Anweisung Gottes zu Pharao, nur um die Verhärtung des Herzens Pharaos zu erleben und die letzte Plage anzukündigen, nämlich den Tod der Erstgeburt.

Pharao heißt im Hebräischen Par’o פַּרְעֹה von Para פַּרְע = der Ungezügelte, der Despot, der Anarchist. Er war durch seine Uneinsichtigkeit, für die er sich selbst entschieden hatte, ein egoistischer Despot und Götzendiener. Sich selbst sah er als Gottheit und antwortete deshalb Mosche und Aaron, dass er nichts vom Ewigen wisse.
2.Mo. 5,2  Pharao sprach: Wer ist ER, daß ich auf seine Stimme hören sollte, Jissrael freizuschicken! ER – den kenne ich nicht, auch schicke ich Jissrael nicht frei.

So geht es beim Künder Jeremia, dem נָּבִיא Nawi, der Gottes Wort überbringt und kündet (נָבִיא navi = wir werden bringen), um Ägypten und die Herrschaft der Pharaonen, die in ihrer Überheblichkeit dachten, Herren über Israel und die damalige Welt zu sein. Vielleicht war bei ihnen auch Schadenfreude zu erleben, als Israel ins Babylonische Exil ging, doch Gott hatte bereits für Ägypten Seine Abrechnung parat.

Nebukadnezar war ein Werkzeug in Gottes Hand, und er bekam Ägypten als seinen Lohn darf.
Hes. 29,17 Es geschah dann im siebenundzwanzigsten Jahr, im Ersten, einen auf die Neuung, daß SEINE Rede zu mir geschah, es sprach: 19 Darum, so hat mein Herr, ER, gesprochen, wohlan, ich gebe Nebukadnezar König von Babel das Land Ägypten, daß er hinweghebe dessen Gepränge, dessen Beute erbeute, raube dessen Raub, das sei Lohn seinem Heer: 20 als Werksold, daß wider jenes er diente, gebe das Land Ägypten ich ihm, daß für mich sie gearbeitet haben. Erlauten ists von meinem Herrn, IHM.

Jeremia zeigt dem uneinsichtigen Ägypten auf, wieviel Menschen im Land bereits umgekommen sind, sogar die starken und wehrhaften Männern Ägyptens. Er macht deutlich, dass alle Verwüstung von Gott geschah, dass ER die „Helden“ zusammenbrechen ließ. Es gibt kein Zurück, denn Ägypten ist nach wie vor überheblich und reuelos, von sich und seiner vermeintlichen Kraft überzeugt. Wie so oft waren Soldaten die Leidtragenden eines Despoten, denn Pharao hatte jede Frist zur Umkehr verstreichen lassen, wie er die Fristen vor der Tötung der Erstgeburt verstreichen ließ. Damals hatten ihn seine Berater gewarnt, doch zu spät, sodass sie mit schuldig und in dieser Plage gefangen waren. Jetzt sind die Männer im Krieg gegen Ägypten mit gehangen, mit gefangen.

Ägypten heißt auf Hebräisch Mizraim מִצְרַיִם, von der Wurzel zar צַר = eng. Es ist das Land der doppelten Enge. Diese Enge bekommt es nun selbst zu spüren. Das steht in Gottes Beschluss so fest wie die Berge, die nicht wanken. Wie der Berg Tabor טַבּוּר der Nabel der Welt ist טַבּוּר tabur = Nabel, und wie der Berg Karmel am Meer liegt.

Gott warnt Ägypten liebevoll als Tochter, sich auf den Weg der Flucht vorzubereiten, denn Nebukadnezar wird das Land Ägypten zerstören, sodass in den Ruinen kein Mensch mehr leben wird. Für diese Flucht soll Ägypten sich vorbereiten wie auf eine Wanderung, für die die Wandernden Wasser und Proviant einpacken, vielleicht sogar Schlafmatten und Sonnenschutz. Gott warnt Ägypten, das doch so hochmütig und ignorant bleibt, wie wir es aus dem alten Ägypten des Auszugs kennen, weshalb Gott es spöttisch ein weibliches Kalb עֶגְלָה egla nennt. Damit assoziiert der Leser das goldene Kalb עֶגְל egel in der Wüste, das erst dem Götzendienst diente und schlussendlich von Mosche zu Staub vernichtet wurde.

Die Stimme einer Schlange קוֹלָהּ כַּנָּחָשׁ kola ka’nachasch erinnert an die verführerische Stimme der Schlange im Garten Eden, wo sie besserwisserisch Gottes Wort in Frage stellte. Auch jetzt will sie nicht hören, doch sie muss davonkriechen und fliehen.
Zudem war die Schlange ein Herrschafts- und Schutzzeichen Pharaos gegen seine Feinde, doch sie hatte ausgedient. Den Niedergang des Schlangengottes hatte Aaron einst mit seinem Schlangenstab demonstriert, welche die Schlangen der Zauberer fraß.

Ägypten lernte nicht aus dem Auszug der Kinder Israel, wo Gott zahllose Heuschrecken übers Land brachte, die die Reste von Hagel und Unwetter fraßen. Jetzt ist die Zahl der Holzhauer größer als die der Heuschrecken. So fällt Ägypten mit allem, was den Götzen glaubte und Israel Sicherheit vorgaukelte, in die Hand Nebukadnezars – mit dem kurzen Ausblick auf seine spätere Rückkehr. Da Ägypten zu den Patriarchen gut war, wird Gott es wieder in sein Land zurückbringen.

Jer. 46,28 Du fürchte dich nimmer, mein Knecht Jaakob, ist SEIN Erlauten, denn ich bin mit dir. Denn machte ich den Garaus allen Stämmen, dahin ich dich versprengt habe, dir würde ich den Garaus nicht machen, züchtigen nur will ich dich rechtens, kann dich strafledig nicht ledigen.
Auf lange Sicht muss sich Israel nicht fürchten. Wir sehen hier in aller Deutlichkeit, dass Israel von Gott erzogen wird, und die Zuchtrute sind die Völker. Als Pädagoge weiß Gott, dass jegliche Konsequenz verhältnismäßig sein muss. Die Völker aber wahrten das rechte Maß nicht, sondern hatten ihre Freude am Leiden Israels. Darum wird Gott mit allen Völkern, unter die Israel bis heute zerstreut ist, eine große Endabrechnung vornehmen, wie sie in Joel 4 und Hes. 38+39 dargestellt ist.

Joel 4,12  Wachen, aufziehn sollen die Stämme in das Tal Jehoschafat, »ER richtet«, denn dort will ich sitzen, zu richten alle Weltstämme ringsum.13  Schicket die Sichel an, denn ausgereift ist die Ernte, kommet, tretet, denn gefüllt hat sich die Kelter, die Kufen schwimmen, denn ihrer Bosheit ist viel. … 16 ER brüllt von Zion, gibt von Jerusalem aus seinen Stimmschall, daß Himmel und Erde schüttern. Doch Bergung ist ER seinem Volk, Schutzwehr Jissraels Söhnen.

Ein Ende Israels wird es niemals geben, wohl aber ein Ende der Völker.

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