Friedhof in Safed in Galiläa
Predigttext für Karsamstag, 16.04.2022 nach einem Seminar mit Yuval in Löwenstein 2017

Einführung zu Hesekiel

Hesekiel = Jecheskel heißt: Gott stärkt mich; Gott gibt mir Kraft, Stärke; Gott ist mein Halt. Er war Exilsprophet und erlebte sowohl die 1. Vertreibung der Juden aus ihrer palästinischen Heimat 597 v.d.Z. durch die babylonische Weltmacht als auch die sich anschließende 2. Vertreibung. Diese ging mit der Zerstörung des Zentralheiligtums in Jerusalem im Jahre 587 v.d.Z. einher. Der bedeutende Navi נְּבִיאִ = Künder, Prophet kam aus einer großen Priesterdynastie und predigte In Babylonien den Exilanten. Jecheskel selber musste ins Exil im heidnischen Land. Was der Künder sagt dem Volk sagt, ist veränderbar, wenn das Verhalten der Hörer sich ändert. Gottes Wille ist durch die Botschaft Jecheskels die Umkehr Seines Volkes.

Die Botschaft in der Gola גּוֹלָה = Diaspora, Verbannung ist eine andere als für diejenigen, die im Land Israel als kleiner Rest lebten. Gott pflegte darum eine besondere Beziehung zu Jecheskel, sodass seine Worte voller Extreme sind, schmerzhafter als bei anderen Kündern der Bibel.

So stirbt Jecheskels Frau als Zeichen der gestorbenen Beziehung zwischen Gott und Israel. (Kap.24) Ab Kap. 3 schweigt der Prophet, denn er sollte die Gesprächslosigkeit zwischen Gott und seinem Volk demonstrieren. Kap.16 ist eine einzige Schimpftirade, dann wieder sind so liebevolle, zärtliche Worte zu hören. Wie konnte dieser Navi solche Extreme ertragen?

Gottes Liebe ist verletzt ob der Taten der Tochter Zion, ob deren Ablehnung Gottes, ob des Götzendienstes und des Synkretismus. Im Orient kann derjenige, der verletzt ist, oft heftigste Ausdrücke benutzen. Wenn der Orientale – und genauso der orientalische Gott – wirklich lieben, wird jeder von beiden sehr erregt und sehr deutlich. Gott greift hart durch, um Sein Volk vor Verirrung zu bewahren.
Jecheskel predigte bereits 12 Jahre vor der Tempelstörung und warnte vor ihr. Die Kinder Israel erwiesen sich jedoch als nicht würdig, den Tempel, das Haus Gottes, zu behalten. Nachdem sie nicht hörten, mussten sie in der Folge mit dieser Katastrophe leben. Aber Gott ist so gut, sodass ER einen neuen Tempel ankündigt. Das Thema dieses Propheten ist, wie das Volk ohne Tempel im Exil lebt. Vermutlich deshalb benutzt Jecheskel so viele Gleichnisse wie kein anderer Künder.

Kapitel 37,1-14

 1 Über mir war SEINE Hand, im Geistbraus entführte mich ER, ließ mich nieder inmitten der Ebne, die war voller Gebeine. 2 Er trieb mich rings, rings an ihnen vorbei, da, ihrer waren sehr viele hin über die Fläche der Ebne, und da, sehr verdorrt waren sie. 3 Er aber sprach zu mir: Menschensohn, werden diese Gebeine leben? Ich sprach: Mein Herr, DU, du selber weißt. 4 Er aber sprach zu mir: Künde über diese Gebeine, sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine, höret SEINE Rede! 5 so hat mein Herr, ER, gesprochen zu diesen Gebeinen: Da, Geistbraus lasse ich kommen in euch, und ihr lebt. 6 Ich gebe über euch Sehnen, ich lasse Fleisch euch überziehn, ich überspanne euch mit Haut, Geistbraus gebe ich in euch, und ihr lebt und erkennt, daß ICH es bin. 7 Ich kündete, wie mir war geboten. Als ich gekündet hatte, geschah ein Rauschen, und da, ein Schüttern, die Gebeine rückten zusammen, Gebein zu seinem Gebein. 8 Ich sah, da waren über ihnen Sehnen, Fleisch überzog sie, Haut überspannte sie obendrauf, doch kein Geistbraus war in ihnen. 9 Er aber sprach zu mir: Künde auf den Geistbraus zu, künde, Menschensohn, sprich zum Geistbraus: So hat mein Herr, ER, gesprochen: Von den vier Brausewinden, Geistbraus, komm, wehe diese Erwürgten an, daß sie leben! 10 Ich kündete, wie er mir geboten hatte. Der Geistbraus kam in sie ein, sie lebten. Sie standen auf ihren Füßen, ein sehr sehr großes Heer. 11 Er aber sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, die sind alles Haus Jissrael. Da sprechen sie: Verdorrt sind unsre Gebeine, geschwunden unsere Hoffnung, losgeschnitten sind wir! 12 Darum künde, sprich zu ihnen: So hat mein Herr, ER, gesprochen: Da, ich öffne eure Gräber, ich ziehe euch aus euren Gräbern, mein Volk, ich lasse euch kommen zu dem Boden Jissraels. 13 Dann werdet ihr erkennen, daß ICH es bin. Wann ich öffne eure Gräber, wann ich euch ziehe aus euren Gräbern, mein Volk, 14 gebe in euch meinen Geistbraus, daß ihr lebet, lasse euch nieder auf eurem Boden, dann werdet ihr erkennen, daß ICH es bin, ders redet, ders tut. SEIN Erlauten ists.

Buber/ Rosenzweig

Dieses Kapitel hat Juden in den Pogromen, Kreuzzügen und in den Gaskammern ungeheure Kraft gegeben. Es gab den Leidenden einen unglaublichen Glauben! Nach allen Tragödien ersteht eine neue Vision: Aus den Gräbern von Auschwitz und anderen Katastrophen werden die Toten auferstehen! Wir brauchen solche Hoffnung, wenn wir die Massen mutwillig getöteter Menschen sehen oder wenn wir uns an die Lastwagen voller Corona-Toter in Italien und anderswo erinnern. Der Schrecken steckt uns im wahrsten Sinn des Wortes in den Knochen!

Wenn die Hand Gottes auf dem Künder lag, bedeutet es, dass Gott Zugriff auf Jecheskel hatte. Gott packte seinen Künder, nahm ihn in die Mangel und benutzte ihn als Sein Werkzeug. Dabei geht es um eine Geisterfahrung, um eine Be-geist-ung, die den Künder und die ihm anvertrauten Exilanten in ihrem Innersten ergreifen soll. Dieser Kraft kann Jecheskel sich nicht entziehen.
Gottes Geist – Ruach רוּחַ  ist eine weibliche, schöpferische, lebengebende Kraft ist. Es bleibt ein Geheimnis, ob dieses Kapitel ein reales oder inneres Erleben ist.

Die Knochen = עֲצָמוֹת azamot bedeuten zudem „meine Selbigkeit“, was ein Begriff von Meister Eckard ist, meine Identität. Knochen hat im Hebräischen dieselbe Wurzel wie „ich selbst“ עצמאי atzma’i. Das Selbst hat mit dem Vergänglichen zu tun, es besteht nur in der hiesigen Welt und, verweist zugleich auf den innersten Menschen. Knochen zeigen noch lange nach dem Tod an, dass es den Menschen einmal gab. Sie erinnern an ein gewesenes Sein.
Dieses Tal mit den Gebeinen erinnert an das Gewesene, aber es zeigt, dass wieder etwas sein darf. Das Leben ist nicht ganz ausgelöscht. In diesem Tal sind die Überreste begraben, und doch sichtbar. Alle Gebeine sind sichtbar als unzähliges beendetes Leben, an unzähliges Leid. Das Verdorrte ist gegenwärtig. Das Bild ruft das neuere Bild der Leichen in den Konzentrationslagern, an Stätten von Menschheitsverbrechen und an Schlachtfelder hervor. Sie sind allesamt bedrückend.

Hes. 37,3 Er aber sprach zu mir: Menschensohn, werden diese Gebeine leben? Ich sprach: Mein Herr, DU, du selber weißt.

Doch an dieser Stelle wird Jecheskel viermal Menschensohn, richtiger Adamssohn בֶּן אָדָם ben adam, Erdlingssohn, genannt. Im gesamten Buch Hesekiel kommt „Menschensohn“ 93x vor, und damit häufiger als im NT. Vermutlich handelt dass es sich um einen endzeitlichen Würdetitel, der den Angesprochenen in eine endzeitlich-messianische Handlungskonstellation rücken soll. Gott möchte, dass die Menschheit erneuert wird in eine Menschheit, wie sie zur Zeit des Paradieses war. Adam fiel, weil er von Gott abfiel, wie auch Gottes Volk zu Jecheskels Zeit. Werde wieder Adam in der Nähe Gottes!

Das Exil kam der Vertreibung aus dem Paradies gleich, so schwer zu ertragen war sie. Es war ein Leben im Heidentum, was einer Beleidigung für jüdisches, monotheistischen Lebens gleichkommt. Der „Ben Adam“ lebte dort im Paradies, im Raum des Lebens, indem Gott ihm den Ruach einblies. So bekam Adam seine Neschama נשמה = Seele. Der gefallene Mensch soll wieder zurückkehren zu Gott und damit ins Leben. Dabei geht es nicht nur um Juden, denn Adam war noch kein Jude. Der Unterschied zwischen Jude und Nichtjude spielt keine Rolle, denn alle Menschen sind Adamskinder. Vielmehr geht es um Hoffnung in einer durch und durch hoffnungslosen Situation. Jecheskel bringt zur Ermutigung seiner Zuhörer in den letzten Kapiteln seines Buches die zukunftsweisende Vision des Dritten Tempels und des Garten Eden.

Gott fordert Jecheskel in dieser Situation heraus und fragt ihn nach seinem eigenen Glauben in der Verzweiflung nach dem Fall des Tempels und dem Verlust der Heimat. Vorerst gibt es keine Chance auf Rückkehr. Gott fragt, ob ER in allen Widrigkeiten und Widerständen Jecheskel vertrauen kann. Nur das sicherte das Leben der verfolgten Juden, wenn sie angesichts der Verzweiflung nicht auf die Realitäten und äußere Umstände achten. Sie mussten ihre Herzen und ihren Blick auf die Unmöglichkeiten, die Gott zu tun fähig ist, richten – damals wie heute! Deshalb bekennt Jecheskel das Wissen Gottes: Du weißt es אַתָּה יָדָעְתָּ ata jadata. Damit bekennt er, dass er an seinem gedanklichen Ende angekommen ist, an einem Punkt der geistlichen Kapitulation. Diese Demut wollte Gott ihm entlocken.

Die Juden erlebten 1945 dasselbe Totenmeer wie Jecheskel. Sie sagten, dass wenn diese Vision bei diesem Propheten wahr wurde, sie erst recht jetzt Wirklichkeit werde konnte. Objektiv gesehen war Auschwitz der Endpunkt des jüdischen Lebens in Europa. Eine ungeheure, schmerzhafte Erfahrung, aber gleichfalls eine Erfahrung von Gottes Möglichkeiten!

Du weißt es אַתָּה יָדָעְתָּ ata jadata: Das bezeugt die innere Verbundenheit, die den Glauben Jecheskels trägt, denn dieses Wissen bzw. Erkennen drückt die tiefe Vertrautheit zwischen Gott und Seinem Künder aus.

Nach diesem demütigen Bekenntnis zu Gott soll der Navi die Gebeine ansprechen. Die Materie hört wie im Schöpfungsbericht, als aus dem Nichts durch Gottes Sprechen Leben entstand, das Universum entstand! In diesen verdorrten Gebeinen ist ein Funken Göttlichkeit, etwas Lebendiges, das hören kann, in der Materie vorhanden, sodass ER diese Gebeine ansprechen kann. Laut rabbinischer Einsicht gibt es einen unzerstörbaren Knochen an der Halswirbelsäule, den Gott bei der Auferstehung der Toten ansprechen wird.

Nun erweckt Gott in vier Stufen die toten Gebeine, also in einem umfassenden, ganzheitlichen Geschehen. Körperlich stimmt alles wieder. Die Gebeine der Ermordeten rücken zusammen und bekommen Haut, Fleisch, Sehnen und Knochen. Aber da ist noch kein wirklicher Mensch, weil der Geist fehlt. Die Gebeine sollen begeistet werden, damit ein neuer Mensch entsteht. Ben בֵּן = Sohn kommt von bauen לִבְנֹת liw‘not, sodass hier ein neuer Mensch durch Gottes Geist erbaut wird.

Ziel allen wahren Lebens ist die Erkenntnis Gottes.
V6 … lebt und erkennt, daß ICH es bin. וִידַעְתֶּם כִּי אֲנִי יְהוָה wi’datem ki ani Adonai.
Solche Erkenntnis steht jedem Götzendienst zuwider. Erkenntnis ist eine zutiefst innere Intuition und eine schon intime Verbundenheit. Die Erweckten erkennen zu allererst den EINEN Gott. Sie öffnen sich ihrem Gott und Vater. Das heißt im Umkehrschluss: Wer Gott nicht erkennt, ist tot. Ohne Gott bist du eine wandelnde Leiche.
Eine jüdische Tradition besagt, dass diese Gebeine nicht wirkliche Tote waren, sondern spirituell Tote. Nur mit dem Geist Gottes können sie wieder im wahren Sinn lebendig werden und erkennen.

Jecheskel ruft im Auftrag Gottes die Ruach an, obwohl es im Judentum keine Trinität gibt und Ruach keine eigene Kraft ist. Der Menschensohn muss den Geist rufen, damit er zum Mitschöpfer wird und durch den Ruf wieder Beziehung entsteht. Die Kinder Israel lebten nicht mehr in Beziehung mit ihrem Gott. Durch den Ruf  entsteht genau wie in der Schöpfung Berufung und Auftrag.
Gen. 1,5 Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht! Abend ward und Morgen ward: Ein Tag
Das Schwierigste in der Bibel ist, mit dem unsichtbaren Gott in Beziehung zu stehen und zu bleiben. Darum muss Gott unser Herz öffnen. Gott ist der erste Herzchirurg, damit Menschen mit einem neuen Herzen mit IHM in der Beziehung fortbestehen können. Aus den vier Himmelsrichtungen wird die Ruach kommen. Das hat umfassende Bedeutung, wofür die Juden hier prototypisch stehen. Gott wendet sich schlussendlich an die gesamte Menschheit.

In einem Dreischritt geschieht das Erneuernde: „ein Rauschen, und da, ein Schüttern, die Gebeine rückten zusammen“. Gott bewirkt durch Seinen Künder die ersten Schritte der Transformation. Es folgt ein zweiter Dreischritt: „Sehnen, Fleisch überzog sie, Haut überspannte sie obendrauf“, doch bleiben die Körper unvollständig. Nur das Anhauchen mit Gottes Geist kann sie beleben, so wie Gott Adam Leben einhauchte.

Hes. 37,10 Ich kündete, wie er mir geboten hatte. Der Geistbraus kam in sie ein, sie lebten. Sie standen auf ihren Füßen, ein sehr sehr großes Heer. 11 Er aber sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, die sind alles Haus Jissrael. Da sprechen sie: Verdorrt sind unsre Gebeine, geschwunden unsere Hoffnung, losgeschnitten sind wir!

Warum danken diese Wesen nicht? Sie befinden sich noch in einem Schockzustand und wissen nicht, wo sie hingehören. Die tiefe Erkenntnis des Ewigen Gottes fehlt und der Pessimismus regiert noch.

Tikwa התִּקְוָה Hoffnung ist etymologisch eine Verbindung קוו kaw, eine Bindeschnur  zu Gott. Die Menschen fühlen sich noch abgeschnitten vom Leben. Die Hoffnung der Gebeine ist geschwunden; sie sind damit wirklich tot. Aus diesen Gedanken entstand die HaTikwa התִּקְוָה, Israels Nationalhymne, die betont, dass die Hoffnung lebt! Gott bildet die Antithese zu der Hoffnungslosigkeit. Darum schreibt Naftali Herz-Imber: Unsere Hoffnung תקותנו tikwatenu ist NICHT geschwunden! 10 Strophen verfasste er mit vielen Worten der Bibel. (siehe Link)

כל עוד בלבב פנימה
נפש יהודי הומיה,
ולפאתי מזרח קדימה
עין לציון צופיה – עוד לא אבדה תקותנו,
התקוה בת שנות אלפים,
להיות עם חופשי בארצנו
ארץ ציון וירושלים.
Kol od ba-lewaw penima – Nefesch jehudi homija
(U-l-)fatej misrach kadima
ajin le-zijon zofija.
Od lo awda tikwatejnu
Ha-tikwa bat schnot alpajim:
Lihjot am chofschi be-arzenu –
Erez Zion wi-jruschalajim.
Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt
und nach Osten hin, vorwärts,
ein Auge nach Zion blickt, solange ist unsere Hoffnung nicht verloren,
die Hoffnung, zweitausend Jahre alt,
zu sein ein freies Volk, in unserem Land,
im Lande Zion und in Jerusalem!
https://de.wikipedia.org/wiki/HaTikwa#Text

Es geht immer um das Herz, die Herzenshaltung, das Herzblut, mit dem die Beziehung zu Gott gestaltet wird. Im Herzen muss Gott erkannt werden, auf andere Weise geht es nicht. Vor Jecheskels Kündung war die Beziehung des Volkes zu Gott und zu den Mitmenschen herzlos, hartherzig. Die deutsche Sprache gibt es viele Worte mit „Herz“ wieder: beherzt, beherzigen, Herzensbildung, warmherzig, … Es gibt sogar „Herzohren“, ein rechtes und ein linkes. https://de.wikipedia.org/wiki/Herzohr Deshalb passt es, wenn die Bibel sagt, wir sollen mit ganzem Herzen hören!

Jetzt benutzt Gott einen anderen Terminus, die Gräber. Das Feld der Gebeine drückte den Zustand Israels aus, und solche Felder waren den Menschen damals geografisch bekannt. Totenfelder, auf denen die Ermordeten durch die Babylonier lagen, als Israel sich noch gegen das Exil wehrte, das ihnen von Gott als Konsequenz für seine Untreue angekündigt war. (Am Ende von Jeremia und im 2. Buch der Könige.) Damit stand es gleichzeitig symbolisch für den geistlichen Zustand der Kinder Israel, die nicht auf Gott hörten, Gott nicht erkannten wegen ihres Götzendienstes, die geistlich tot und beziehungslos waren.

Mit den Gräbern ist eine Weiterführung des Totenfeldes gemeint. Zu jeder Zeit will Gott die Menschen herausholen aus den Gräbern, wo immer sie sind, weltweit. Alle jemals Gestorbenen werden auferweckt. Dreimal steht in den Versen 12+13, dass Gott sie hervorziehen will aus ihren Gräbern, und in diesem machtvollen Tun werden die Auferweckten GOTT erkennen. In allen vier Himmelsrichtungen wirkt Gott; ER wirkt universell auch für die Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören. Die Hinzugekommenen – Christen und Moslems -, die die Erstwahl der Juden akzeptieren, sind mit angesprochen. Israel bleibt auch in den schwierigsten Zeiten und in der fürchterlichsten Erregung das Volk Gottes.

Hes. 37,14 gebe in euch meinen Geistbraus, daß ihr lebet, lasse euch nieder auf eurem Boden, dann werdet ihr erkennen, daß ICH es bin, ders redet, ders tut. SEIN Erlauten ists.

Ihr werdet leben heißt, dass ihr geisterfüllt und mit Gotteserkenntnis lebt. Leben bedeutet einen Prozess, in dem sich ein Mensch die göttliche Weisheit aneignet. Leben חִיִּים chajim ist im Hebräischen ein Pluralwort: altes Leben muss sterben und neues Leben muss gelebt werden. Jeden Tag muss ich mich neu hereinbringen ins Leben. Jeder Morgen ist ein Neubeginn.

Fazit

Die große Vision Jecheskels bildet die klassische Auferstehungshoffnung im Judentum. In der synagogalen Liturgie wird der ergreifende Text alljährlich am Schabbat, der in das siebentägige Pessachfest fällt, im Vormittagsgottesdienst rezitiert. Er soll inmitten des Befreiungsfestes der Juden aus der ägyptischen Versklavung die ungebrochene jüdische Hoffnung auf die endgültige Befreiung dokumentieren, aus jeder irdischen Tyrannei und der Macht des Todes. Die Maxime lautet: So wie Gott, unser himmlischer Vater, uns Juden zur Zeit der biblischen Exodusgeschichte die leibhaftige Erlösung aus den Fängen des Todes gewährte, so wird er uns bald die letzte, endgültige Erlösung in Verbindung mit dem neuen Leben aus dem Tod gewähren.

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