vorgeschlagener Text für Sonntag, d. 1. August 2021

24 Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. 25 Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. 26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute. 27 Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, da stürzte es ein, und sein Einsturz war gewaltig.

Schlachter Übersetzung, 2000

Schon ab Kap. 5 lehrte Jesus die Volksmenge in der nach Pinchas Lapide benannten „Berglehre“.
Mt. 5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: …
Nun sagt er den Zuhörenden, dass jeder Hörer und Täter des Wortes einem klugen Menschen gleicht, der sein Haus auf den Felsen baute.

„Diese Worte“ sind also alle bis hierhin gesprochenen Worte, deren Grundlage die Tora ist:
Mt. 5,17 MEINET nicht, dass ich gekommen sei, die Tora oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.
Alle Worte, die Jesus lehrte, haben ihren Ursprung in der Tora, die die Zuhörer ja kennen. Gott hatte Sein Volk schon bei Vergabe der Tora am Sinai aufgefordert, diese Worte zu hören und zu tun.
Dtn. 5,27 Tritt du hinzu und höre alles an, was der Herr, unser Gott, reden wird, und du magst uns dann alles sagen, was der Herr, unser Gott, zu dir reden wird: wir wollen darauf hören und darnach tun
Es gilt also, das zu hören und zu tun, was vom Sinai her bekannt ist. Sogar das Gebot König Salomos hatte den gleichen Duktus:
1.Kö. 11,38 Tritt du hinzu und höre alles an, was der Herr, unser Gott, reden wird, und du magst uns dann alles sagen, was der Herr, unser Gott, zu dir reden wird: wir wollen darauf hören und darnach tun

Ohne Hören und anschließendes Umsetzen gibt es keinen produktiven Glauben, weshalb Jesus einige Verse  zuvor das Beispiel vom fruchttragenden Baum brachte. Wem nützt die Rose in meinem Garten, die nicht blüht, keine Freude bereitet und keine Hagebutten hervorbringt?
Als Jugendliche habe ich mich oft gefragt: Was soll ich denn jetzt tun? Durch das NT und die Botschaft der Kirche war ich fixiert auf meinen Glauben. Ich muss mehr glauben, ich muss mehr beten, war meine Schlussfolgerung.
Aber das sagt Jesus nicht und nur glauben reicht ihm nicht. Ich muss hören שְׁמַע schma! Ein zentraler Auftrag der Schrift! Hören heißt lernen, die Tora lernen – und sie tun! Ich muss hören, dass Gott mir sagt, dass ER der einzige Gott ist und ich IHM allein vertrauen darf:
Dtn. 6,4 Höre Jissrael: ER unser Gott, ER Einer!
Und ich höre: Lev. 19,18 Heimzahle nicht und grolle nicht den Söhnen deines Volkes. Halte lieb deinen Genossen, dir gleich. ICH bins.
Meinem Nächsten Liebe angedeihen lassen, das kann ich tun, indem ich ihn nicht verleumde oder seine Handlungen beurteile, indem ich ihm im Alltag oder in einer Notsituation helfe, und indem ich beispielsweise dem Bedürftigen Almosen gebe. In den Gleichnissen bedient sich Jesus der Beispiele, die bis heute zu den guten Taten im jüdischen Leben gelten: Krankenbesuch, Trauerbesuch, Nackte bekleiden bzw. Kleider an die spenden, die alles verloren haben, Gebeugten aufhelfen und sie ermutigen, usw.
Kurz gesagt tue ich das für meinen Nächsten, was ich selber gerne hätte.
Mt. 7,12 ALLES nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun; denn darin besteht die Tora und die Propheten.

Wer also hört und TUT, der hat sein Lebenshaus auf den Felsen, nämlich auf Gott selbst gebaut, der unser Fels ist. Auf Gott, der unsere Hilfe, unser Erlöser, eben wie ein Fels nicht wankt noch weicht, auf den wir uns verlassen können.
2.Sam. 22,32 Ja, wer ist Gott außer IHM, wer ein Fels außer unserem Gott!
Ps. 19,15 Zugnaden seien die Sprüche meines Mundes, das Tönen meines Herzens vor deinem Antlitz, DU, mein Fels, mein Erlöser!
Jes. 26,4 Überlasset euch IHM fort und fort, denn Er, oh, ER ist ein Fels in die Zeiten hin.

Die Konkordanz gibt viele Belegstellen mehr für den Fels unseres Glaubens, den Fels Israels. Gott ist das beste Fundament für unser Lebenshaus!

Gerade die jetzige Flutkatastrophe zeigt, was der Predigttext benennt: Der Felsen widersteht dem Wasser und dem Wind. Er ist ein sicherer Untergrund. Den Flutopfern wünsche ich, dass sie das Vertrauen auf den Felsen Israels nicht verlieren, denn ER kann alles erneuern, allem Sinnlosen einen Sinn geben, wie es Hiob erlebte.

Wir sehen in Jesu Lehre aber auch, dass es Menschen gibt, die sich alle Worte anhören und nicht umsetzen. Das ist ein bekanntes Phänomen. Da gibt es Menschen, die groß tönen und schwätzen, aber ganz ruhig werden, wenn die Praxis gefragt ist. Sie haben dann bekannte Ausreden parat. Oder Menschen, die ihrer Umwelt gleichgültig begegnen, Augen und Ohren verschließen, vielleicht sogar noch meinen, der andere habe seine Situation selbst verschuldet.
Wer so handelt, darf nicht auf Gottes Hilfe hoffen. Gott entzieht ihm das Fundament seines Lebenshauses, bis es ihn zur Umkehr treibt.

Mit meinen Kindern habe ich gerne den Film von Charles Dickens gesehen: „Die drei Weihnachtsgeister“. Wie wurde dem Geizhals der Boden unter den Füßen weggerissen, spätestens als er den Geist der zukünftigen Weihnacht begegnete und sein einsames Ende sah! Bis er umkehrte und sich um den behinderten Sohn seines Angestellten kümmerte und die Behandlung seiner Krankheit finanzierte. Umkehr ist in jedem Augenblick möglich.

Jesus lehrte anschaulich und überzeugend, weil er die Liebe zum himmlischen Vater lebt und die Nächstenliebe praktizierte. Er lehrte die Tora wie einer, der sie kennt und liebt, der begeistert und begeistet (Yuval Lapide) von ihr ist. Nur wer selber entzündet ist, kann andere im positiven Sinn anstecken.

Das mag ein Mangel bei anderen Lehrern seiner Zeit gewesen sein. Das Sujet kannten sie sicher genauso gut, aber konnten sie so gut mit Menschen umgehen und auf Schüler zugehen?

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